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Informationspapier
der Schweizerischen Buddhistischen Union für spitalbeauftragte SeelsorgerInnen,
Pflegende, Ärzte und Pflegeschulen
Religiöse Bedürfnisse im Zusammenhang mit Sterben und Tod im Buddhismus
Bedeutung von Sterben und Tod aus Buddhistischer Sicht
Die buddhistische Lehre sieht
im Tod keinen Endpunkt, da das Bewusstsein den Körper nach dem Tod verlässt,
sich danach aber wieder an einen neuen Körper binden kann.
Nach dem äusseren Sterben
(letzter Atemzug) folgt ein innerer Sterbeprozess, der aus dem Zusammenkommen
der inneren Energien besteht. So genannte „Nahtoderlebnisse“ können eine
mögliche Erfahrung davon sein.
Der durch
Meditationserfahrung ruhige und klare Geist kann während dieses Prozesses seine
wahre Natur erkennen. Dies führt zur Möglichkeit der bewussten Wiedergeburt zum
Nutzen für andere.
o
Buddhistinnen
und Buddhisten legen besonders in der Sterbephase grossen Wert auf Ruhe
o
Eine angenehme,
positive Atmosphäre schaffen, Zuversicht schaffen, was die Reise ins Unbekannte
angeht.
o
Wünsche
des Sterbenden respektieren, z.B. Ruhepausen für Meditation ermöglichen,
Meditationshilfen wie Bilder, Statuen in Sichtweite belassen, auf Wunsch eine
sitzende Haltung oder eine rechte Seitenlage ermöglichen (erleichtert den
Energiefluss im Körper).
o
Bei
Anzeichen eines nahen Todes umgehend die buddhistische(n) Kontaktperson(en)
benachrichtigen.
o
Wenn lebenserhaltende Massnahmen
beendet werden sollen, sind Neumond oder Vollmond geeignete Zeitpunkte.
o
Den
Verstorbenen möglichst unangetastet und störungsfrei mindestens eine halbe
Stunde liegen oder sitzen lassen, wenn möglich bei geöffnetem Fenster,
damit der innere Sterbeprozess ungestört ablaufen kann. Einige Buddhistische
Traditionen gehen noch Weiter:
“Nach dem Tod sollte der Körper
während drei Tagen oder mehr, wenn immer möglich, weder bewegt noch berührt
werden. 24 Stunden sind das absolute Minimum.“ (tibetische Gelugpa Tradition
Mont-Pèlerin).
o
Wenn die
erste Berührung erfolgt, bitte zuerst die Schädeldecke (ehemalige Fontanelle)
anfassen.
o
Sofortige
Benachrichtigung der buddhistischen Kontaktperson(en), falls noch nicht
erfolgt. Einem buddhistischen Lehrer oder Freund soll die Möglichkeit zur
Totenwache eingeräumt werden.
o
Autopsien
werden nur in äusserst dringenden Notfällen, Organentnahmen nur auf Grund einer
Patientenverfügung akzeptiert.
o
Die
verstorbene Person so lange wie möglich im Sterbezimmer lassen. Den Angehörigen
und Freunden die Möglichkeit geben, sich in Ruhe zu verabschieden.
• Buddhistisches Zentrum Zollikon (Tibetischer
Buddhismus, Gelugpa Tradition)
Hinterzünen
8+6, 8702 Zollikon. Tel. 044 391 81 66/ 044 39181 67
Kontaktperson:
Martin Kalff, 044 391 81 66
Zentren, welche Kurse für Buddhistische Sterbebegleitung
anbieten:
·
Amden, Tradition: Karma Kagyü Linie, Bellevue, 8873 Amden, Tel. 055-611 21 31, Fax: 055-611 24
36, info@retreat-bellevue.ch, www.retreat-bellevue.ch
·
Beatenberg
Meditationszentrum, Tradition: Mahayana
& Theravada, 3802 Waldegg- Beatenberg, Tel: 033 841 2131 info@karuna.ch
·
Bern
Tradition: Gelugpa, FPMT- Zentrum, „Longku Zopa Gyu“, Lama Zopa Rinpoche und
S.H. Dalai Lama, Adresse: Reiterstr. 2, 3013 Tel:031 332 57 23,
fpmt-ch@bluewin.ch
Was ist Buddhismus?
Kurze Information über den Buddhismus
(Auszüge aus dem Prospekt der schweizerischen Buddhistischen Union):
Die Lehre des Buddha will uns nicht belehren, was die
Wahrheit sei, sie lehrt uns zu entdecken, was wirklich ist.
Als Prinz Siddharta vor 2500 Jahren realisierte, wie der
andauernde Kreislauf von Geburt, Alter Krankheit und Tod die Menschen gefangen
hält, wurde er der Erwachte.
Er sah wie wir darüber leiden, dass alles, was entsteht
wieder vergeht; wie wir aus einer illusionären Vorstellung von uns selbst und
der Welt an Dingen und Verhaltensweisen festhalten, sie ablehnen oder nicht
wahrhaben wollen, dass diese Illusion überwunden werden kann; und wie wir leben
können, um uns völlig davon zu befreien.
Diese Erkenntnis wurde zur Grundlage der buddhistischen
Lehre und ist als die Lehre von den vier edlen Wahrheiten bekannt geworden:
1. Die Wahrheit des Leidens
2. Die Wahrheit des Ursprungs des Leidens
3. Die Wahrheit von der Aufhebung des Leidens
4. Die Wahrheit des Weges zur Aufhebung des Leidens
Diesen Weg hat er als den edlen achtfachen Weg Pfad
beschrieben. Dazu gehören:
1. Rechte Anschauung 5.
Rechter Lebenserwerb
2. Rechte Absicht 6.
Rechtes Bemühen
3. Rechte Rede 7.
Rechte Achtsamkeit
4. Rechtes Handeln 8.
Rechte Sammlung
Diese Punkte können in drei Formen der Schulung
zusammengefasst werden:
1. Weisheit (Punkte 1-2) 2. Ethik (Punkte 3-5) 3. Sammlung
(Punkte 6-8)
Die Erfahrungen des Buddha wurden zunächst mündlich von
Person zu Person weitergegeben und erst nach über 400 Jahren schriftlich
fixiert. Sie befassen sich nicht mit der Frage, wie die Welt entstanden ist
oder warum es sie gibt, sondern enthalten Anleitungen, wie der Mensch sich im
Hier und Jetzt vom Leiden befreien kann. Neben der schriftlichen hat sich die
Tradition der mündlichen Überlieferung in ununterbrochener Folge von Generation
zu Generation bis in die Gegenwart erhalten. Deshalb werden die Einsichten
Buddhas auch heute lebendig und erfahrungsbezogen vermittelt. Auch die Praxis
der Meditation wird mündlich überliefert. sie hilft uns, die Lehre zu verstehen
und unsere Entdeckungen in den Alltag zu integrieren. Der Buddha lehrte den
verschiedenen Bedürfnissen der Wesen entsprechend und seine Lehre enthält
unzähligen Methoden, die helfen, mit dem Geist zu arbeiten.
Grundlegende Praxis ist die Übung der Achtsamkeit, Durch
die sanfte Rückkehr der Aufmerksamkeit auf einfache Dinge wie unseren Körper
und den Atem kann unser Bewusstsein zur Ruhe kommen und klarer werden. Indem
wir direkt erfahren – ohne zu werten – entdecken wir echte Freundlichkeit zu
uns selbst und andern.
Eine zentrale Bedeutung erhielt im Buddhismus die Weisheit,
die die Wirklichkeit erkennt, wie sie ist, und so das Leiden überwindet, wie
auch universelles Mitgefühl für alle fühlenden Wesen.
Im Verlaufe der Zeit und in Berührung mit verschiedenen
Kulturen haben sich im Buddhismus verschiedene Schulen entwickelt, die auch im
Westen vertreten sind. Dazu gehört der Theravada Buddhismus, der sich auf den
in Pali verfassten Kanon der Worte des Buddha beruft. Dazu kommt der Mahayana
Buddhismus, der zusätzlich die reiche Überlieferung der auf Buddha zurückgeführten
Mahayana Sutras inklusive der Schriften des Vadschrayana aufgenommen hat. Von
den verschiedenen Ausformungen des Mahayana sind bei uns vor allem Zen und die
verschiedenen Schulen des tibetischen Buddhismus bekannt geworden.
Literaturliste zum Thema Sterben
und Tod
Die innere Kunst
vom Leben und vom Sterben
von Sterbenden lernen
Rodney Smith
Arbor Verlag
Dem Tod begegnen
und Hoffnung finden
Die emotionale und spirituelle
Begleitung Sterbenden,
Christine Longaker,
Piper Verlag. (Boschiert - März 2001)
Noch ein Jahr zu
Leben
Stephen Levine,
Meditationslehrer, war Mitarbeiter
von Elisabeth Kübler-Ross,
Reinbeck:Rowohlt, 1999
ISBN:3-4996-0494-9
Sein lassen
Heilung im Leben und im Sterben,
Stephen Levine,
Bielefeld Verlag
ISBN: 3926257148
Der Weg zum
sinnvollen Leben
Das Buch vom Leben und Sterben
von Dalai Lama XIV,
Herder Verlag, Freiburg
Das tibetische
Buch vom Leben und vom Sterben,
Sogyal Rinpoche
Barth/Scherz
Das Bardo Buch,
Chjökyi Nyima Rinpoche,
O.W. Barth Verlag
ISBN: 3-502-61014-2